• Bzzzzzz….

    Du weißt nicht, was eine Kamikazefliege ist? Die Sängerin des gleichnamigen Songs zeichnet das Bild eines Menschen, der liebt. Der dafür riskiert. Der sich damit in skurrile, lächerliche, vielleicht auch bedrohliche Situationen bringt. Kamikazefliege ist eine Lebenseinstellung. Ich bin ein Frau Mitte Zwanzig. Ja, richtig, "Frau"! Wann fing es an, dass ich mich selbst nicht mehr als "Mädchen" bezeichnete...?
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Zwei Teufel

Ich chatte schon geschlagene zweieinhalb Stunden mit ihm. Wie ironisch, dass ich heute Abend extra aus der Stadt geflüchtet bin… Weil ich das Gefühl hatte, dass wir schon zu viel miteinander rumhängen. Irgendwie ist das doch das schwierigste an einer Beziehung, oder? Ich meine, eine gesunde Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz. Bis jetzt habe ich immer nur die Extreme erlebt. Entweder, man verbringt jede freie Minute miteinander – und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, negative Dinge zu erleben, die aber durchaus zu der Persönlichkeit seines Partners und der Realität in der Beziehung zweier Menschen gehört – oder die Sehnsucht nach dem anderen frisst einen auf und „das Objekt der Begierde“ (diese Bezeichnung trifft hier wirklich zu) besteht vor allem in den romantischen Auswüchsen seiner eigenen erwartungsvollen Fantasie. Und die hat mit der Realität sehr wenig zu tun.

Beide Extreme sind auf Dauer destruktiv. Zum Beispiel kann zuviel Nähe bewirken, dass man in einem Anflug von mangelnder Selbstbeherrschung, den plötzlich irrsinnigen Wunsch verspürt, die Pickel (noch dazu in äußerst pickelunüblichen Körperzonen) des Anderen ausquetschen zu wollen. Und an dieser Stelle muss ganz klar gesagt werden: Kinder, das führt zu weit! Gebt euch nicht einem solchen Moment der Schwäche hin! Danach ist jeglicher Respekt verloren. Meistens sind es ja die Frauen, in denen die „Kosmetikerin“ steckt.  Oder soll ich es gleich „Affenmama“ nennen? An alle Männer: auch entgegen den Versuchen der Legitimation durch Herrn Mario Barth, will ich euch ermahnen: möpt, hupt, schraubt und stellt nie mit eindeutiger Bewegung und Geräusch an Brüsten und Brustwarzen eurer Perlen. Beim ersten Mal mögen sie es noch milde lächelnd hinnehmen. Wie bei einem Baby, dass fälschlicherweise mit seinen ersten Zähnen beim Stillen mal hineinbeißt. Danach solltet ihr euch allerdings in Acht nehmen. Oder ziehen wir euch etwa regelmäßig an eurem besten Stück und sagen „ding dong“? Wie würdet IHR das finden?
Zuviel Distanz lässt neben extremer Sehnsucht hingegen auch Zweifel und Angst wachsen, ob der andere einen denn überhaupt noch liebt, ob man gut genug ist und wichtig im Leben des Anderen. Als ich eines Abends mit meinem damaligen Freund, der dauerhaft 800 km entfernt von mir lebte, über skype telefonierte, überkam mich der starke Wunsch, einfach die ganze Nacht mit ihm verbunden zu bleiben, um auf diese Weise den Eindruck zu haben, er läge direkt neben mir. Ungefähr zwei Stunden dösten wir in unbequemer Situation in unseren Betten mit unserem Headset auf dem Kopf vor uns hin – ich schwöre, dass ich ihn sogar schnarchen gehört habe – bis ich plötzlich ein lautes „pling“ vernahm. Der Verräter hat einfach aufgelegt. Und als ich ihn am nächsten Tag darauf ansprach, erwiderte er nur blöde: „Wieso, aber ich hab einfach nichts mehr gehört, von dir kam nichts mehr…“ Ja, hallo? Und wieder eine Situation, in der die Erwartungen nicht wie in meiner Fantasie so schön ausgemalt, nämlich: morgens wach zu werden und ein vorsichtiges „Guten Morgen“ aus dem Munde des Liebsten zu hören, erfüllt werden.

Wie gesagt, sind beide Extreme gleichermaßen gefährlich für eine Beziehung. Da ich mich allerdings gerade nicht in einer Fernbeziehung befinde, sondern zum ersten Mal in meinem Leben das Glück und Leid (oder besser: die Herausforderung) einer Beziehung erfahre, bei der die Liebenden 15 Radminuten/ 5 Autominuten voneinander entfernt wohnen, sehe ich mich tendenziell eher gezwungen, ab und zu mal das Weite zu suchen. Ich denke, das ist für uns beide hin und wieder sehr konstruktiv. Denn um sich gegenseitig „anziehend“ zu finden, ist ein gewisser Abstand logischerweise Voraussetzung.

Von dieser Theorie überzeugt schwirrte ich heute Nachmittag also raus aus meiner WG erneut zu meinen Eltern ab.
Gewirkt hat es anscheinend auch schon. Im Chat überhäuften wir uns mit Komplimenten und fürsorglichen Zärtlichkeiten: „Ich würd’ so gern neben dir einschlafen heute… in Löffelchen und meiner Hand auf deinem Bauch.“ 

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