• Bzzzzzz....

    Du weißt nicht, was eine Kamikazefliege ist? Die Sängerin des gleichnamigen Songs zeichnet das Bild eines Menschen, der liebt. Der dafür riskiert. Der sich damit in skurrile, lächerliche, vielleicht auch bedrohliche Situationen bringt. Kamikazefliege ist eine Lebenseinstellung. Ich bin ein Frau Mitte Zwanzig. Ja, richtig, "Frau"! Wann fing es an, dass ich mich selbst nicht mehr als "Mädchen" bezeichnete...?
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Auf der Suche nach schreibenden Co-Piloten!

Wie ihr seht, bin ich seit 2 Monaten nicht mehr zum Schreiben gekommen. Geschichten gibt es noch en masse, aber Motivation und Energie fehlen gerade… Wer hat Lust auf diesem Blog als Gastschreiber unterhaltsam seine Gedanken über Liebe und Beziehung zu formulieren? Freue mich über Feedback…

Birthday

It’s the 3/10 and not one single person has visited my blog so far… see, it’s not an important day. Why should somebody give a damn on what I’m telling you?
Little review of last years kamikaze activities: I went to Ghent 3 times, once in April, once in June, once in November. First time: nothing, second time: very successful, third time: destructive. In September I even went to Lithuania again. You, on the other side, haven’t visited me a single time. Though, I was always expecting you to stand on my doorstep one day.
A year has gone, still I am searching you in every place we’ve been to, in every person I meet. You omnipresent Dutchman…
…Happy Birthday. 

“Geduld mit mir selbst ist nicht meine Stärke”

Schreiben fällt nicht leicht de afgelopen dagen. Der Trip nach Paris hat mich aus meinem Leben hier ziemlich rausgerissen. Wäre es nur ein touristischer Kurzurlaub gewesen, hätte ich dieses Problem wohl nicht. Aber nachdem ich in dieser Stadt schonmal für ein halbes Jahr gewohnt und gearbeitet habe, bin ich anscheinend nicht mehr in der Lage, mich ohne Innensicht einfach nur von äußerlichen Eindrücken berieseln zu lassen. Das immernoch bestaande soziale Netzwerk hat mal wieder zugeschlagen und ließ mich erneut in das Pariser Alltagsleben eintauchen und erzeugte sogleich wieder Sehnsucht, ganz dazugehören zu wollen.

Seitdem lassen sich Gedankenfetzen schwer ordnen und ich halte sie nicht für ausreichend, um eine Geschichte aus ihnen formen zu können. Ich habe diesen Beitrag daher van begin af gleich als “Fliegenschiss” getaggt. Dachte mir: “Vielleicht kriege ich ja was zustande, wenn ich die Erwartungen an mich tief staple.”

Sinds gisteren avond habe ich ein flaues Gefühl, dass ich in einem Wort als “Zukunftsangst” bezeichnen könnte. Das klingt aber irgendwie doch ein bisschen drastisch. Meine Existenz sehe ich eigentlich nicht bedroht, ”Zukunftssorge” trifft es deshalb vielleicht besser. Wie kriege ich nur meine Magisterprüfung hin? Und was passiert, wenn ich ich dann in 7 Monaten wirklich afgestudeert heb? Bleibe ich mit dem Menschen, den ich liebe, zusammen? Kommt er mit mir mit, wenn ich für meinen Job ins Ausland gehe? Wird einer von uns irgendwann bemerken, dass er den anderen nicht mehr liebt? Und überhaupt… schaffe ich es noch vor meinem 30. Lebensjahr mein Traumgewicht von 55 Kilo zu erreichen? Endlich eine unabhängige, sportliche, politisch-interessierte und disziplinierte jonge vrouw zu werden? Und wie gehe ich eigentlich mit dem Geburtstag meines Ex-Freundes am Montag um, soll ich mich bei ihm melden, oder ihn wie geplant ignorieren?
Alles Fragen, auf die ich am liebsten noch diese Nacht een antwoord hätte. Es macht mich fast wahnsinnig, dass ich mich gedulden muss, bis die richtige Zeit für sie gekommen ist. Geduld mit mir selbst ist nicht meine Stärke.

Zu allem Überfluss machte ich dann heute Abend auch noch den Fehler, mir in dieser ohnehin schon düsteren Stimmung “Requiem for a Dream” reinzuziehen. Will mich nicht erniedrigen lassen müssen. Will keine Elektroschocks ertragen müssen. Will keinen amputierten Arm.

Maar ja, zo kan het komen. Gelukkig genoeg ben ik geen prostituee. Wil ook niet op tv. En een junkie ben ik ook niet. Dan komt wel alles goed.

Tu’s für die Sprache!

Noch 34 Stunden, dann schwirre ich mal wieder ab. Und meinen Co-Piloten nehme ich auch mit. Damit ich nicht, wie die Male davor, mit wehenden Fahnen in Kamikaze-Sturzflug gehe.

Nach dem Motto: “Angriff ist die beste Verteidigung!? En garde! Allez!” verbrachte ich sechs Monate meines Lebens in der Stadt der Liebe. Dabei lief 10 Wochen erstmal alles ganz monoton und für meine Mitmenschen ungefährlich ab. Mein Lieblingshobby war allerdings bis dahin, aus Liebeskummer regelmäßig in Tränen auszubrechen. Die Métro war dafür mein bevorzugter Ort. Bei genauem Überlegen war das für mein (anonymes) Publikum zwar nicht gefährlich, aber vielleicht doch etwas bedrohlich. Zumindest sahen mich einige Menschen an, als befürchteten sie eine Terroristin oder Amokläuferin in mir…

Mitte Mai lernte ich dann diesen Franzosen kennen. Ein Bretone. Matthieu. Ich fand ihn auf den ersten Blick… zum Kotzen! Eine französische Bekannte hatte ihn mitgeschleppt. Nach kurzer Zeit schon war er betrunken, sprach noch schneller und unverständlicher und gröhlte in der Karaoke-Bar herum, zusammen mit seinem ebenfalls dichten Kumpel. Was für ein Abend. Ich verpasste die letzte U-Bahn, weil ich so verwirrt war, dass ich zunächst in den falschen Zug stieg, der in die entegegengesetzte Richtung fuhr. Mir blieb dann nur noch der bus de nuit, der Pariser Nachtbus. Bei Nation musste ich eine halbe Stunde warten. Ich hatte unglaubliche Bauchschmerzen. Als ich mich endlich von République aus in meine WG geschleppt hatte, war es schon halb drei nachts. Was für schräge Typen. Was für ein schräger Abend. Da hatte ich beschlossen, endlich aus meiner Depression auszubrechen, und dann sowas… 

Wenige Abende später wollte der schräge Bretone ein Rendez-vous mit mir. Stundenlang wartete ich und wägte zusammen mit meiner schwedischen Mitbewohnerin das Für und Wider ab. Ich hatte Matthieu “zufällig” am Samstag Abend wiedergetroffen. Was heißt hier zufällig?? Obwohl ich Amélie extra ausdrücklich ermahnt hatte, die beiden Chaoten nicht von unseren Ausgeh-Plänen zu berichten, tauchte sie dann doch wieder mit ihnen auf. Naja, und wie soll ich sagen… die Musik war gut. Das Bier zeigte bei mir seine Wirkung. Die Jungs waren ziemlich kleinlaut und schämten sich ein bisschen über ihr Verhalten vom Vortag. Ich tanzte zu Tzigane-Rock bis ich nicht mehr konnte. Und Matthieu stand als mein Bewunderer neben mir.
Er hatte mir an diesem Montag eine Nachricht auf meiner Mailbox hinterlassen. Wollte mit mir etwas Trinken gehen. Ich zögerte. Mein Herz war noch besetzt. Das war mir klar. Ich betete darum, dass mein Ex mir schleunigst eine seiner unverhofften Nachrichten schicken würde. Ich hatte ihn schon zu einer Art Gottheit hochstilisiert, der mit seinen mentalen Fähigkeiten auch auf mehrer Hundert Kilometer Distanz meine Gedanken und Gefühle lesen konnte. (Was ich auch jetzt noch glaube.) Aber von ihm kam nichts. Innerlich drohte ich ihm: “Meld dich, du Arsch, oder ich bin weg vom Fenster für dich. Vielleicht heirate ich ihn und kriege hübsche, bilinguale Kinder mit ihm. Das, was ich doch eigentlich nur mit dir wollte.” Aber an diesem Abend schwieg er.
Das schlagende Argument brachte dann Marjan: “Na los, ihr geht doch nur was Trinken. Ich versteh ja deine Angst. Aber sieh’s doch mal so: Tu’s für die Sprache!” Wie pragmatisch. Dies war Startschuss meiner Achterbahnfahrt in Paris. Oder auch: Kamikaze à la meilleure.  Ab diesem Zeitpunkt tat ich alles für die Sprache…
(Fortsezung folgt)

Voor jou

T is niet de enige keer, dat ik aan jou schrijf zonder dat je t zal lezen… Je weet niks van mijn geheim boekje waar ik sommige maanden geleden sinnetjes vormde, die nog de realistische hoop laten zien je spoedig als moegelijk weer in mijn armen te sluiten. Wanneer wist ik toen niet… maar toch was ik ervan overtuigd.

En nu moet ik herkennen, dat t je ook niet zal kunnen schelen wat ik hier in grappig en fout Nederlands ga posten. Waarom dan ook? Je houd niet meer van mij. T is nu bijna 1 jaar geleden, toen ik naar Parijs vertrok. Daar was mjn leven helemaal uit elkaar gebroken. Ik kon t niet snappen dat ik je kwijt was. En op een manier snap ik t nog altijd niet, hoe jij me zo makkelijk uit jouw leven kon gooien.

Achter mijn laatste kamikaze-achtige handeling in november, heb ik echter begrepen, dat ik moest beginnen, de hoop, weer met jou samen te komen, uit mijn hoofd te laten verdwijnen.
Ik durfde een moedige stap en liet een nieuwe liefje in mijn leven. Ik hou van hem. Tegelijkertijd weet ik wel, dat mijn hunkering naar jou nooit kan helemaal stoppen. Ik mis je zo, als ik Litouwen mis. En Litouwen was t leukste wat ik ooit heb geleerd kennen.

Een dag zal ik je weer ontmoeten. Daar ben ik nog altijd zeker van. Intussen wacht ik niet meer. Ik ga gewoon door met leven op zoek naar deze intense gevoelens, die ik tot nu alleen door jou kon voelen…

Erinnerungen

Wann begann ich eigentlich so sentimental zu werden?
Obwohl ich heute allen Grund hätte, glücklich zu sein, stimmt irgendetwas nicht…

Gestern Abend überraschte mich mein Freund, indem er unangekündigt in der Bar auftauchte, in der ich gerade mit ein paar Freundinnen saß. Eigentlich sollte er zu diesem Zeitpunkt aber 400 km von mir entfernt bei seinen Eltern sein. Gestern Nachmittag noch war ich traurig gewesen, dass ich ihn das ganze Wochenende nicht sehen würde. Und dann steht er einfach vor mir. Bis jetzt ist noch kein Mann für mich an einem Tag 8 Stunden Auto gefahren, nur, um mich zu überraschen.

Dass ich jetzt traurig bin, hat mit ihm also nichts zu tun. Es ist, als schwebe eine Wolke über mir. Sentimentale Erinnerungen… Sehnsucht… Es regnet auf mich ein…

Da ist dieser eine denkwürdige Moment am 22. Dezember 2005. Ein Abschied am Flughafen. Vier Monate lang hatte ich die Zeit meines Lebens, in einem fremden Land, wo eine fremde Sprache gesprochen wurde, wo überall zunächst Fremde um mich herum waren. Aber innerhalb dieser vier Monate war dies mein Zuhause geworden und die Menschen, die sich zu Beginn noch fremd waren, waren zusammengewachsen und lebten ausgelassen und unbeschwert in ihrer vertrauten kleinen Kommune. Für mich war das eine Zeit ohne Sinn und Verstand, ohne Sorgen, ohne Gedanken an die Zukunft, im Hier und Jetzt, in einem so intensiven Freiheitsgefühl, dass jede Faser meines Körpers davon durchdrungen war. Es tut sehr weh, ein solches Leben aufgeben zu müssen. Ganz unerwartet findet man plötzlich sein Glück, seine ideale Form des Daseins, alles macht Sinn, ohne dass man danach bewusst suchen muss. Und genauso plötzlich soll man es so einfach wieder hergeben…?  

Zurück in meinem “alten” Leben. Nach vier Monaten betrete ich am 22.12.2005 wieder deutschen Boden, höre ich Menschen um mich herum Deutsch sprechen. Eine Frau steht vor einem Metzger-Tresen und verlangt “3 Kloppse, bitte!” Ich könnte heulen. Ich tue es dann auch.
Meine Familie und Freunde begreifen meinen emotionalen Zustand nicht und welchen Verlust ich gerade erlitten habe. Für sie bin ich einfach zurück und alles ist wie vorher. Meine beste Freundin erzählt mir von der dringend nötigen Autoreparatur. Weil es mir leichter fällt, und weil ich es immer noch nicht auf dem Schirm hab, dass ich jetzt wieder da bin, frage ich sie, ob ich mit ihr nicht Englisch sprechen könne. Meine Mutter ermahnt mich, nicht so “aufmüpfig” zu sein, sie wolle ein harmonisches Weihanchten verbringen; mein Bruder sagt, er erkenne mich nicht wieder.
Ich bin so unglaublich traurig und will am liebsten sofort zurück ins andere Leben. Als ich ihnen das sage, werden sie richtig böse mit mir. Ich finde ihnen gegenüber keine Worte, um zu beschreiben, was ich erlebt habe. Es ist soviel passiert. Ich bin in eine andere Richtung gegangen als sie, hab eine völlig veränderte Sicht auf die Dinge und es ist schlicht nicht mehr möglich, einen Schritt zurück zu machen. Wieso würde ich das auch wollen?

Die Erinnerungen an diesen ersten Verlust schmerzen. Der Verlust der einzigen lebendigen Verbindung, die ich 13 Monate aus diesem Paradies versucht hatte, hinüberzuretten, war bisweilen unerträglich.

Wieder 12 Monate später. Wieder ein Kultur- und Re-Integrationsschock mehr. “Die Zeit heilt alle Wunder”, aber die innere Zerrissenheit, Kulturgespaltenheit, Heimatlosigkeit und der Traum von dem idealen Leben schwelen noch immer, ab und zu entfacht sich ein Flämmchen neu. Ich zähle bis drei und versuche, es zu ersticken. Mal mehr, mal weniger erfolgreich:
 

“Ein bestimmter Ort, eine Melodie, ein Duft können die Erinnerung [...] noch wiedererwecken, ein Schwall des alten Entzugsleidens durchströmt Sie von neuem, Ihren Freunden fällt auf, dass Sie einen Moment unaufmerksam sind, und sie haben den Eindruck, dass eine unsichtbare Wolke über Ihr Gesicht hinweghuscht. Manche begreifen sofort und werden versuchen, Sie abzulenken oder vom gefährlichen Ort hinwegzuführen, so wie man einen bekehrten Trinker nicht allzu lange vor einer Bar herumstehen lässt. Und tatsächlich wird man Sie vergleichen können mit jenen Alkoholikern, die über ihre verhängnisvolle Neigung triumphieren und nur noch Wasser trinken, aber gleichzeitig erkennen, dass ihr Leben noch intensiver, reicher und lustiger aussah, als der Alkohol noch ihr Gefährte war.”
(Aus: François Lelord (2005): Hector und die Geheimnisse der Liebe)

Zwei Teufel II - Frustriert

Der seit 45 Minuten gestrige Tag hat meine Planung gleich 2 mal zerschlagen. Und alles auf den Kopf gestellt… Zunächst entscheidet sich von jetzt auf gleich, dass ich halbprofessionell Mittwoch für 3 Wochen wahrscheinlich in meine Zweitheimat Paris reisen werde - 5 Tage davon waren tatsächlich im Vorfeld als Urlaub gedacht, und die Verlängerung ergibt sich nun aus Loyalität zu meinen französischen Kollegen und Freunden, die meine Hilfe benötigen - und vor ein paar Minuten erfahre ich, dass mein Prinz nun beschlossen hat, dass er dieses Wochenende doch auch mal wieder zu seinen Eltern fahren müsste. Das mit der Distanz sei ja eh meine Idee gewesen… So war meine Theorie natürlich nicht gedacht. Der wichtigste Faktor an ihr ist ja, dass ich dabei in der Machtposition bin. Fühle mich ausgebootet und entlarvt, weil ich so enttäuscht reagiere, wozu ich gar kein Recht habe. Ich bin es trotzdem! Denn Jannilein hat sich in ihrem Köpfchen schon so ein schönes Wiedersehen ausgemalt. Hah! Da haben’s wir wieder… 3 Tage Distanz und schon schlagen die falschen Erwartungen zu! Stattdessen werde ich mich nun ein Wochenende, ohne Sex und anderen Freuden der Zweisamkeit, in der einen oder der anderen kleinbürgerlichen und spießigen Popelstadt langweilen und  mit meiner Magisterarbeit vereinsamen. Ich muss ins Bett. Der Tag hat verschissen.

Zwei Teufel

Ich chatte schon geschlagene zweieinhalb Stunden mit ihm. Wie ironisch, dass ich heute Abend extra aus der Stadt geflüchtet bin… Weil ich das Gefühl hatte, dass wir schon zu viel miteinander rumhängen. Irgendwie ist das doch das schwierigste an einer Beziehung, oder? Ich meine, eine gesunde Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz. Bis jetzt habe ich immer nur die Extreme erlebt. Entweder, man verbringt jede freie Minute miteinander - und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, negative Dinge zu erleben, die aber durchaus zu der Persönlichkeit seines Partners und der Realität in der Beziehung zweier Menschen gehört - oder die Sehnsucht nach dem anderen frisst einen auf und “das Objekt der Begierde” (diese Bezeichnung trifft hier wirklich zu) besteht vor allem in den romantischen Auswüchsen seiner eigenen erwartungsvollen Fantasie. Und die hat mit der Realität sehr wenig zu tun.

Beide Extreme sind auf Dauer destruktiv. Zum Beispiel kann zuviel Nähe bewirken, dass man in einem Anflug von mangelnder Selbstbeherrschung, den plötzlich irrsinnigen Wunsch verspürt, die Pickel (noch dazu in äußerst pickelunüblichen Körperzonen) des Anderen ausquetschen zu wollen. Und an dieser Stelle muss ganz klar gesagt werden: Kinder, das führt zu weit! Gebt euch nicht einem solchen Moment der Schwäche hin! Danach ist jeglicher Respekt verloren. Meistens sind es ja die Frauen, in denen die “Kosmetikerin” steckt.  Oder soll ich es gleich “Affenmama” nennen? An alle Männer: auch entgegen den Versuchen der Legitimation durch Herrn Mario Barth, will ich euch ermahnen: möpt, hupt, schraubt und stellt nie mit eindeutiger Bewegung und Geräusch an Brüsten und Brustwarzen eurer Perlen. Beim ersten Mal mögen sie es noch milde lächelnd hinnehmen. Wie bei einem Baby, dass fälschlicherweise mit seinen ersten Zähnen beim Stillen mal hineinbeißt. Danach solltet ihr euch allerdings in Acht nehmen. Oder ziehen wir euch etwa regelmäßig an eurem besten Stück und sagen “ding dong”? Wie würdet IHR das finden?
Zuviel Distanz lässt neben extremer Sehnsucht hingegen auch Zweifel und Angst wachsen, ob der andere einen denn überhaupt noch liebt, ob man gut genug ist und wichtig im Leben des Anderen. Als ich eines Abends mit meinem damaligen Freund, der dauerhaft 800 km entfernt von mir lebte, über skype telefonierte, überkam mich der starke Wunsch, einfach die ganze Nacht mit ihm verbunden zu bleiben, um auf diese Weise den Eindruck zu haben, er läge direkt neben mir. Ungefähr zwei Stunden dösten wir in unbequemer Situation in unseren Betten mit unserem Headset auf dem Kopf vor uns hin - ich schwöre, dass ich ihn sogar schnarchen gehört habe - bis ich plötzlich ein lautes “pling” vernahm. Der Verräter hat einfach aufgelegt. Und als ich ihn am nächsten Tag darauf ansprach, erwiderte er nur blöde: “Wieso, aber ich hab einfach nichts mehr gehört, von dir kam nichts mehr…” Ja, hallo? Und wieder eine Situation, in der die Erwartungen nicht wie in meiner Fantasie so schön ausgemalt, nämlich: morgens wach zu werden und ein vorsichtiges “Guten Morgen” aus dem Munde des Liebsten zu hören, erfüllt werden.

Wie gesagt, sind beide Extreme gleichermaßen gefährlich für eine Beziehung. Da ich mich allerdings gerade nicht in einer Fernbeziehung befinde, sondern zum ersten Mal in meinem Leben das Glück und Leid (oder besser: die Herausforderung) einer Beziehung erfahre, bei der die Liebenden 15 Radminuten/ 5 Autominuten voneinander entfernt wohnen, sehe ich mich tendenziell eher gezwungen, ab und zu mal das Weite zu suchen. Ich denke, das ist für uns beide hin und wieder sehr konstruktiv. Denn um sich gegenseitig “anziehend” zu finden, ist ein gewisser Abstand logischerweise Voraussetzung.

Von dieser Theorie überzeugt schwirrte ich heute Nachmittag also raus aus meiner WG erneut zu meinen Eltern ab.
Gewirkt hat es anscheinend auch schon. Im Chat überhäuften wir uns mit Komplimenten und fürsorglichen Zärtlichkeiten: “Ich würd’ so gern neben dir einschlafen heute… in Löffelchen und meiner Hand auf deinem Bauch.” 

Die Kunst des Wartens

Zwanzig vor Zwölf. Ich frage mich, ob er sich noch meldet. Zwei Nachrichten habe ich ihm geschrieben, bis jetzt keine Antwort erhalten. Ich ärgere mich in erster Linie, dass ich ihm überhaupt geschrieben habe. Nicht weil ich ihn nicht gerne sehen möchte, nein, sondern weil ich mich damit wieder in die Position der Abhängigen begebe. Und abhängig zu sein widerspricht meiner Ideologie. Denn ich habe das Idealbild einer freien, unabhängigen, vielseitig interessierten und begehrten jungen Frau von mir. Aber durch diese Situation: Pustekuchen! Ich fühle mich ganz fies von den Mitteln moderner Kommunikationstechnologien ausgetrickst. Falls ich nicht direkt anrufen will bei meinem Angebeteten -und das tue ich auf KEINEN Fall in so einer Lage, am Ende gelte ich noch als “Controlfreak” und das widerspricht meinem Idealbild ebenso zu 100% - bin ich einfach gezwungen zu warten. Warten, wie ich das hasse! Ich mache total sinnloses Zeug, wenn ich warte. Über verflossene Traummänner nachdenken, die ich eigentlich nicht “Traummann” nennen sollte, sondern “Arschloch”; Kühlschrank, Speisekammer, Süßigkeitenschränkchen plündern; Das E-Mail-Postfach des Arschloch-Traummanns durchstöbern; Alkoholvorrat plündern; und wenn der Tag wirklich keinen Sinn mehr macht, weil man nachts um 4 keine wahre Mission mehr hat, schließlich frustriert, betrunken, mit ungeputzten Zähnen und deswegen noch beschämter ins Bett kriechen. (Alles in dieser Reihenfolge.)
Im Moment kratze ich mir aber einfach am Kopf.

Sechzehn nach Zwölf. Ich glaube nicht, dass er sich noch meldet, denn er scheint überhaupt nicht zu Hause zu sein. Meine Skype-Nachricht, die ich um halb Zwölf geschrieben habe, hätte er sonst längst beantwortet. Er ist immer online, er schaltet sein Notebook nie aus, auch nicht, wenn er das Haus verlässt. Noch ein Punkt, der es unmöglich macht, NICHT zum “Controlfreak” zu mutieren. Selbst, wenn man es gar nicht vorhatte, beginnt man damit, doofe Spekulationen anzustellen. Samstag war er auch bei Fabian und Anouk, während ich mich kränkelnd aber unabhängig (!) im Hause meiner Eltern zurückgezogen hatte. Dass er bei den beiden war, erfuhr ich aber erst am nächsten Tag. Ich ging davon aus, dass er sich auf der Geburtagsparty seiner Ex-Freundin als persönlicher Assistent der Gastgeberin betätigte, was mich rasend eifersüchtig machte.
Ich habe etwas gegen Ex-Freundinnen meiner aktuellen Traummänner, seit Arschloch-Traummann mich mit seiner betrog. An Sylvester. Als er eigentlich mit ihr Schluss machen wollte. Naja, genau genommen muss ich zugeben, dass sie da ja noch gar nicht seine Ex-Freundin war. Sie sollte es werden. Und mit einem feierlichen letzten (?) Mal Sex besiegelt werden….? Jedenfalls erklärte er mir, in wie immer recht komplizierten und unauthentischem Deutsch, am Telefon völlig überrascht: “Ja, wir haben miteinander geschlafen… aber Janne, ich konnte nicht erkennen, dass es etwas Falsches war, um das zu tun, doch…?” Die Konsequenzen dieser Momente, die darauf folgende “Dreiecksgeschichte” bade ich noch heute aus. Denn leider reagierte ich nicht sehr geistreich. Ein offener Mund war, glaube ich, das bedrohlichste, das ich zustande brachte. Zumindest hoffe ich, dass es ein bisschen bedrohlich aussah. Nur für mein Ego. Denn sehen konnte er es ja bei 800 km Entfernung, übers Telefon, sowieso nicht. Seitdem ist mein Verhältnis zu Ex-Freundinnen jedenfalls gespannt. Vor allem zu solchen, die meinem Traummann auch noch so offensichtlich nachlaufen und Sachen zu ihm sagen wie: “Aber gute Freunde können doch ab und zu miteinander ins Bett gehen!” Und so sponn ich mir am Samstag Abend also schon immer wildere und für mich negativere Fantasien zusammen, so dass ich mir am Ende wirklich sicher war, er hätte ihr zum Geburtstag einen schönen Orgasmus geschenkt. Und das nur wegen skype und seiner schlechten Angewohnheit, sein Notebook nie auszuschalten.

Aber heute bin ich schlauer. Janne, mal davon abgesehen, dass dein Liebster wohl heute Nacht mal wieder mit seinem besten Freund Fabian und dessen Freundin Anouk das Bett teilen wird, wobei Anouk immer in der Mitte liegt, hast du keinen Grund, eifersüchtig zu sein. Mach dich nicht zum Sklaven moderner Technologie indem du bis tief in die Nacht vor diesem Bildschirm rumlungerst, bis der Tag keinen Sinn mehr macht. Schließlich bist du eine vielbeschäftigte Frau, die morgen wieder all ihre Konzentration für wissenschaftliche Zwecke benötigt.

Ein Uhr. Gute Nacht!